Menschen wie du und ich

Es gibt Menschen, die hasse ich einfach. Allein schon ihre Art könnte mich zum Explodieren bringen, wenn ich mich nicht zusammenreißen würde. Komischerweise gelingt mir das auch sehr gut in der Gegenwart dieser bestimmten Leute. Besser, als ich vielleicht selber möchte. Meinen Sarkasmus hören sie meistens auch nicht oder sie wollen ihn einfach nicht hören.
Einige vertrauen niemandem, wie ich. Egal, was andere sagen, alles wird auf die Goldwaage gelegt und abgeschätzt, ob sich dahinter vielleicht etwas verbergen könnte, was diese Leute verrät. Dass sie einen doch nicht so sehr mögen, wie sie es immer vorgeben. Andere hingegen verschließen grundsätzlich die Ohren. Sie würden dich immer noch geistesabwesend angrinsen und freundlich nicken, auch wenn du ihnen mitten ins Gesicht sagst, dass sie dich nerven und du nichts mit solchen Schwachköpfen zu tun haben willst.
Versetzen wir uns doch einfach mal in die Lage desjenigen, der diese Leute hasst; man ist einfach nur wütend. Egal, wie oft man sagt „Hör auf mich zu belästigen. Ruf mich nicht mehr an!“, sie nerven weiter. Da muss man doch einfach etwas Positives aus der Sache rausholen, indem man sich die Situation zu Nutze macht und diese nervigen Arschkriecher (verzeiht meine Ausdrucksweise) so richtig ausnutzt. Manche werden denken „Sie können doch nichts für ihre Dummheit“, wohl wahr, aber man selber kann doch noch viel weniger dafür.
„Warum labert die Tante eigentlich so viel dummes Zeug?“ Das kann ich euch sagen, liebe Leser, ich selber werde nämlich von Leuten belästigt, die einfach nicht verstehen wollen, dass sie mir zuwider sind. Okay, ich habe es ihnen auch noch nicht so direkt gesagt, aber in der heutigen Zeit muss man schließlich zwischen den Zeilen lesen können.
Mein Leben verlief eigentlich schon immer so, wie ich es nie wollte. Mein Leben ist, um es hart auszudrücken, ein einziger, riesiger Misthaufen mit vielen, vielen Fliegen drum herum. Okay, so schrecklich viele Fliegen sind hier vielleicht auch nur, weil momentan Juli ist, brütende Hitze (durchschnittlich 36°C am Tag) und wir gleich um die Ecke einen Reitstall haben. Aber es geht mir hier nun mal ums Prinzip.
Im Moment ist mein Leben mal wieder an einem Tiefpunkt angelangt, während es sonst eigentlich eher Achterbahn fährt. Leider sehe ich nicht, wo die Schienen wieder nach oben gehen, der Looping hat mich etwas aus der Bahn geworfen.
Jetzt sind zum Glück Sommerferien und ich kann in aller Ruhe nachdenken, was mich noch in dieser trostlosen Welt hält, in der mich nur alle verspotten oder mir wie gehirnlose Zombies nachlaufen. Und ich rate euch, solltet ihr mal ein Tief durchleben und über euren Sinn des Lebens nachdenken wollen, tut es nicht! Das macht alles nur noch schlimmer. Am besten solltet ihr euch dazu noch in ein gemütliches, ungemachtes Bett legen, traurige Musik hören, euch fragen, wieso ihr mit euren fast neunzehn Jahren als einzige eures Jahrgang noch keinen festen Freund hattet und euch vorstellen, wie alles gekommen wäre, wenn das Schicksal einfach mal auf eurer Seite gewesen wäre. Schon richtig, da denkt man schon mal darüber nach, warum keine Schlaftabletten im Medizinschrank lagern.
Meine beste Freundin Fin ist für die nächsten zwei Wochen im Urlaub, wer soll es ihr verübeln? Aber das heißt für mich, dass ich zwei Wochen allein mit meinen psychopatischen Eltern zu Hause sein muss. Denn mein zwei Jahre jüngerer Bruder Jamie ist ebenfalls campen gefahren und von meinem zwei Jahre älteren Bruder Benni habe ich nichts mehr gehört seit er weggegangen ist, weil er es hier einfach nicht mehr ausgehalten hat. Meine Eltern verlieren kein Wort über ihn.
Es ist schon spät, Mum und Dad müssten eigentlich schon lägst schlafen. Ich glaube, ich gehe noch ein wenig raus und rauche eine.

Knapp zehn Minuten später stehe ich mit Kippe in der Hand draußen unter sternenklarem Himmel und inhaliere einen tiefen Zug. Ich hätte mir etwas Wärmeres anziehen sollen.
Warum ich niemanden kennen lerne? Möglicherweise liegt es daran, weil ich es einfach nicht fertig bringe einfach mal auf die Piste zu gehen und in einem langweiligen Dorf lebe, in dem einfach nichts los ist. Man weiß nie, wo eine Party steigt und bei den meisten dieser Parties geht es eh nur darum zu saufen und sich von machomäßigen Versagern begrabschen zu lassen, die sonst nie eine abkriegen würden. Ich kenne sie doch alle, liegt vermutlich daran, da sie fast alle auf meine Schule gehen und mir bekannt sind. Seltsamerweise haben sie schon die ganzen dummen Puten rumgekriegt mit ihnen in die Kiste zu hüpfen und natürlich haben sie sie dann hinterher eiskalt abserviert und fallen gelassen, für die nächste Dumme, die sich auf sie einlässt.
Es ist halt nicht einfach jemand richtigen kennen zu lernen. Wie oft ertappe ich mich in letzter Zeit dabei, wie ich mir wünsche, dass es einer von diesen Typen auch mal bei mir versuche, nur damit ich einmal mitreden kann, auch wenn ich es später bereuen würde. Allerdings scheine ich etwas an mir zu haben, was männliche Zeitgenossen von mir abhält. Als hätte ich einen unsichtbaren Mückenschutz, nur halt gegen Männer.
Die Zigarette tut gut. In letzter Zeit rauche ich viel zu viel, aber das ist mir egal. Ist ja nur mein Leben, welches ich mir kaputt mache und ich glaube, noch kaputter geht es momentan gar nicht mehr.
Ich setzte mich auf eine Bank und lasse den Blick schweifen, während ich mir die nächste Zigarette anzünde. Ich schließe kurz die Augen um der Stille zu lauschen, als mich auf einmal eine tiefe Stimme hinter mir wieder in die Realität zurückholt.
„Hey, ist dir nicht kalt?“
Ich drehe mich erschrocken um und sehe einen unbekannten Kerl. Er mustert mich neugierig. Als ich nicht antworte, lächelt er mich freundlich an und sagt, während er sich ebenfalls eine Zigarette anzündet:
„Es ist nicht grade warm heute Nacht und du sitzt hier in so kurzen Klamotten.“
Von der Tatsache abgesehen, dass es tiefe Nacht ist und ein dunkelgekleideter Mann lautlos hinter mir auftaucht und ich eigentlich schleunigst verschwinden sollte, bleibe ich sitzen und lächle ebenfalls, als er sich nun neben mich setzt.
„Ich hätte mir eventuell etwas Wärmeres anziehen sollen, aber so schlimm ist es nun auch nicht.“
„Na dann, ist ja gut. Nicht, dass du dir noch was wegholst.“
Ich schüttle den Kopf und sage erstaunt:
„Nein, das wird gewiss nicht passieren. Aber wieso sollte dich das interessieren?“
Er muss grinsen.
„Ich hab dich hier sitzen sehen und dachte, dass ich gut mal mit jemandem quatschen könnte. Allerdings bin ich ein Fremder und eigentlich tätest du sicherlich besser daran, wenn du skeptischer und vorsichtiger reagieren würdest, als du es jetzt gerade tust.“
„Ich glaube, dafür ist es jetzt schon zu spät. Wenn du mich umbringen wolltest, könnte ich jetzt auch nicht mehr wegrennen. War noch nie gut in Sport.“
Er zieht eine Augenbraue hoch und schaut dann in die Ferne.
„Dann hast du wirklich keine Chance. Ich bin nämlich verflucht schnell. Demnach könntest du mir nicht mehr entkommen.“
Er lacht kurz auf.
“Eigentlich bin ich mehr oder weniger nur auf der Durchreise, aber so wie es mir vorkommt, scheint es hier recht gemütlich zu sein.“
Wie kann es sein, dass ein gut aussehender, junger Mann in mein Leben tritt, scheinbar sehr nett ist und mich einfach ganz zwanglos in ein Gespräch verwickelt? Theoretisch kommt gleich die unliebsame Wendung und er zieht doch noch eine Waffe und erschießt mich.
„Was macht ein hilfloses Mädchen wie du um diese Zeit draußen? Hast du es vielleicht darauf angelegt, dich entführen zu lassen?“
Ich schaue kurz in seine leuchtenden Augen, muss dann jedoch wieder auf meinen Schoß schauen, da es mir peinlich ist.
„Vielleicht. Aber eigentlich wollte ich nur eine rauchen und mein sinnloses Leben vergessen.“
Er rückt unmerklich etwas näher.
„Was ist denn los?“
Ich sehe ihn skeptisch an und er scheint zu verstehen.
„Oh, natürlich, warum solltest du mir erzählen, was los ist? Aber sieh es mal so, vielleicht kannst du mir deine Sorgen erzählen, gerade weil ich ein Fremder bin. Du siehst mich vermutlich nie wieder, also muss es dir auch nicht peinlich sein.“
„Aber was solltest du davon haben, wenn ich dir so was erzähle, was dich eigentlich gar nicht interessiert?“
„Du weißt doch gar nicht, ob es mich vielleicht doch interessiert und wie ich schon gesagt habe, ich wollte eigentlich nur mit jemandem quatschen.“
Ich weiß nicht, was ich von dem halten soll, aber eigentlich ist es doch auch egal.
„Irgendwie gerät mein Leben total aus den Fugen. Na ja, es war eigentlich noch nie anders. Aber hey! Das Leben ist doch noch lange nicht vorbei, ich bin noch jung, es kann sich noch viel ändern.“
Er zögert kurz, als er vorsichtig antwortet:
„Ohne dir zu nahe treten zu wollen, Jane, aber glaubst du das, was du da sagst?“
Und ohne es eigentlich zu wollen, fange ich urplötzlich an zu weinen und dieser fremde Mann nimmt mich in seinen Arm und hält mich fest. Ich fühle mich geborgen, obwohl ich diesen Kerl gar nicht kenne. Aber es ist so ein ungewöhnliches Gefühl, einmal von einem anderen Menschen in den Arm genommen zu werden. Das tut sonst niemand. Es fühlt sich gut an.
Nach einiger Zeit scheine ich mich wieder beruhigt zu haben. Ich lehne mich zurück und schaue ihm in die Augen, doch dieses Mal wende ich den Blick nicht ab.
„Tut mir Leid, ich weiß gar nicht, was über mich gekommen ist.“
Er legt einen Finger auf meinen Mund und rückt noch ein Stück näher. Vorsichtig küsst er mich und ein Schauer durchfährt meinen Körper. ...

... Erschrocken erwache ich aus dem Traum, als mich mein Wecker hart in die Realität zurückreißt. Ein Traum! Nicht schon wieder. Mittlerweile der fünfte diese Woche und schon wieder der gleiche Typ, wie war noch gleich sein Name?
„Jane, komm frühstücken!“
„Ja, Mum!“
Und wieder einmal stehe ich enttäuscht auf um einen tristen Tag durchleben zu müssen.

© 2009 by Georgina, Motzke

Menschen wie du und ich - Lesermeinungen

Folgende Kommentare haben die Leser für diesen Text von Georgina, Motzke hinterlassen.

orimderblaue Idee   Rechtschreibung   Grammatik   Umsetzung   Aufbau    

Hallo Georgina,

leider habe ich zu lange mit den Bewertungen gewartet, daher schicke ich sie heute ohne Kommentare ein. Ausführliche Kritiken folgen noch.

Ich bedanke mich auf jeden Fall bei allen Beteiligten. Es brachte mir einige, angenehme Abende ein, bereichert durch interessanten Lesestoff.

Freundlicher Gruß,
Christian

Geschrieben am 13.12.2009 um 21:23 Uhr

Lara Idee   Rechtschreibung   Grammatik   Umsetzung   Aufbau    

Ich mag keine pessimistischen Menschen. Die Protagonistin erinnert mich ein wenig an eine Freundin von mir, zu ironisch und pessimistisch der Welt gegenüber. Das muss doch nicht sein.
Und dann taucht er plötzlich auf und alles wirkt so abgepasst. Okay, ist es auch, es ist ein Traum. Aber die Lösung der Geschichte finde ich doof. Man weiß nicht, ob sie nun wirklich diese Person ist. Außerdem ist der Anfang für einen Traum viel zu durchdacht. Träume sind Handlungsstränge, die Protagonisten kennen sich, schließlich sind sie es, die über sich träumen - da stellt man sich nicht am Anfang so lange vor.

Find ich komisch!

Geschrieben am 01.11.2009 um 15:10 Uhr

janis Idee   Rechtschreibung   Grammatik   Umsetzung   Aufbau    

Ich habe iregdnwie das gefühl du schreibst zwei geschichten. am anfang ging es um die dummen, nervigen arschkriecher, und dann um ihr sinnloses einsames Leben.
Das stört etwas. vielleicht bin ich etwas voreingenommen,a ber diese Traumgeschichte habe ich in diesem Wettbewerb bestimmt schon fünfmal gelesen und find sie langsam unoriginell: aberd afür war deine eine von denen die am ebsten geschrieben waren. Auch wenn mich der inhalt nicht so seehr anspricht. Es fehlt einfachd er rote Fadend er klar durch die Handlung führt.
Dennoch war cih froh dass es am Ende ein Traum war. Es war so unrealistisch, klischeemäßig und vorhersehbar dass ich gedacht hab: "Oh götter, bidde nich!" :D
Vom Schreibstil her jedoch tadellos, was fehlt ist die IDee ;)


Geschrieben am 31.10.2009 um 15:19 Uhr

Elisabeth Idee   Rechtschreibung   Grammatik   Umsetzung   Aufbau    

Ich finde den Text gut geschrieben, wenn auch ein wenig trist.
Der Anfang mit den Gedanken gefällt mir. Es macht Spaß den Text zu lesen.
Doch ab dem zweiten Teil, der mit dem Dialog beginnt, verändert sich der Text und sein Stil. Ich fand des zweiten Teil demnach vom Inhalt eigentlich gut, aber nicht von der Umsetzung.

Geschrieben am 30.10.2009 um 09:28 Uhr

Svane Idee   Rechtschreibung   Grammatik   Umsetzung   Aufbau    

Bis zum ersten Abschnitt hat es mir unheimlich gut gefallen. Die Gedanken sind schön.
Auch der erste Teil des zweiten war gut.
Bis zu "Die Zigartette tut gut" (oder so in der Art..) , danach hat sich der Stil etwas verändert, dabei habe ich mir vom Anfang so viel versprochen, das ist sehr schade.
Aber eigetlich ein sehr interessanter Dialog, den du da geschrieben und die Aussagen sind sehr schön, wahr, unschön, wahr. Aber dennoch gefiel sie mir nach dem Ende (der Kuss passte meiner Meinung nach irgendwie nicht) ncht mehr so gut.

Geschrieben am 16.10.2009 um 00:03 Uhr

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Teilnehmerdaten

Name

Georgina, Motzke (20)

Wettbewerbsjahr

2009

Platzierung

Die Leser wählten diesen Beitrag auf den Platz 31.

Kurzbiografie

Mein Name ist Georgina, ich bin 20 Jahre alt und absolviere zurzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur
im Kulturbüro Niebüll. Ab September 2009 werde ich eine Schauspielschule in Hamburg besuchen.
Nebenbei schreibe ich seit sechs Jahren Kurzgeschichten und Romane.

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