Samael (Zyklus)
- I -
(Der Knabe)
Ein einsam Kind das nicht mehr fror
Verloren und verlorn, verlorn…
Getrieben aus des Menschen größter Heimat Herz
Verblieben kauernd, sinnend, wartend auf…
Sitzt dort nun seit Äonen auf der Heide
Gar wie gepflanzt auf seine Trauerweide
Säuselt stumm sein Lied voll Schmerz
Es bricht die Axt, es beißt das Herz
Spielt auf der Leier noch dazu
Auf dass die Ruhe möge holen, endlich, ihn
- II -
(Die Weisheit)
Spiel Knabe, Spiel nur zu
Doch gewarnt seiest du, die Geister
Die du willst gerufen haben
Sind am Wege, sind im Gange
Schwarz wird ihrer Seelen Gnade
Dich verschlingen, so wie du es willst
Und nichts wird sein was dich jemals befriedigt
Denn was du willst ist nicht für dich zu haben
- III -
(Die Geister)
Ein Ruck, ein Schlag, ein Donnergroll
Teuflische Posaunen in Himmlischen Triolen
Der Baum zerfährt in sieben Stücke
Ein Flammenmeer entspringt der dunklen Nacht
Der Wahnsinn packt den Burschen hart im Nacken
Die Augen grell, verzerrt von Schmerz
Sowie von Lust und grauenhafter Anmut
Er öffnet gleich den Mund wie zum Gespräch
Heraus nur kommen Blut und innre Säfte
Die Erde dreht sich um wie tausend Mal im Kreis
Und verschlingt den Jungen dann wie tausend Mal
; – Nichts davon.
Die Erde dreht sich um, gleich so wie sie es immer tat
Der Jüngling fällt zu Boden, still und tot
- IV -
(Die Ewigkeit)
Es sitzt der Jüngling wie gepflanzt
Die Augengruben leer und hohl
Die Äpfel längst verrottet und im Äther
Ein blinder Bub auf seines Grabes Stein
Die Leier ist beim Fall zerbrochen
Doch dem zum Trotz; Sein Lied klingt weiter fort
Zusammen mit dem Chor der Toten
So werden sie wohl nicht verstummen
Wann immer nur die Welt sich dreht
© 2009 by Tim Tharun
Samael (Zyklus) - Lesermeinungen
Folgende Kommentare haben die Leser für diesen Text von Tim Tharun hinterlassen.
Hallo Tim,
leider habe ich zu lange mit den Bewertungen gewartet, daher schicke ich sie heute ohne Kommentare ein. Ausführliche Kritiken folgen noch.
Ich bedanke mich auf jeden Fall bei allen Beteiligten. Es brachte mir einige, angenehme Abende ein, bereichert durch interessanten Lesestoff.
Freundlicher Gruß,
Christian
Geschrieben am 13.12.2009 um 22:04 Uhr
Mir gefällt es subjektiv nicht so, aber es ist ohne ZWeifel sehr gut geschrieben, den spärlichen Einsatz von Stilmitteln find ich persönlich etwas schade, aber dafür schreibst du doch sehr wortgewaltig.
Die einteilung in verschiedene titel für verschiedene Strophen finde ich sehr passend. :)
Geschrieben am 31.10.2009 um 16:16 Uhr
Ein wirklich tragisches Gedicht, gut ausgedrückt, allerdings habe ich lange gebraucht, bis ich mich hineingefunden habe. Zwischendurch kommt man beim Lesen ein wenig ins Stocken, dafür hat mich der letzte Abschnitt sehr beeindruckt.
Geschrieben am 16.10.2009 um 18:39 Uhr
Schöne Idee. Deine Einteilung und auch die Geschichte.
Sehr traurig vor allem. Tragisches leben.
Spricht mich persönlich nicht an, das Thema, aber trotzdem ein gelungenes Gedicht!
Ich finde aber, die Gedichtform sollte sich auf die wichtigsten Wörter beschränken, manchmal sind die Verse ein wenig zu lang, zu voll gepackt.
Geschrieben am 13.10.2009 um 22:16 Uhr
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Teilnehmerdaten
Wettbewerbsjahr
2009
Platzierung
Die Leser wählten diesen Beitrag auf den Platz 12.
Kurzbiografie
Schon seit dem Kindesalter von der Idee eines eigenen Buches fasziniert, stehe ich, Tim Tharun, junge 18 Jahre alt und aus Rheinland-Pfalz stammend, kurz vor der Veröffentlichung meines ersten Lyrikbandes. Den thematischen Mittelpunkt des Buches wie auch meines Schaffens bildet die Unerreichbarkeit von Erkenntnis und Wahrheit für den menschlichen Geist. Zu meiner Person bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass ich eine große Leidenschaft für expressionistische Kunst habe und voraussichtlich im Frühjahr 2010 meine schulische Laufbahn mit dem Abitur abgeschlossen haben werde. Alles weitere findet sich zwischen den Zeilen meiner Lyrik verborgen.
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