"Wen kümmert das schon?"
Ich hatte einmal einen Klassenkammeraden, den ich vom ersten Tag an nur traurig kannte. Während alle anderen sich untereinander bekannt machten setzte er sich in eine Ecke und schwieg. Natürlich – eine neue Umgebung macht schüchtern, aber so machte er sich selbst von Anfang an zum Außenseiter. In den ersten Wochen wurde er dennoch freundlich gegrüßt, nach seinen Wünschen gefragt und integriert. Doch Wünsche hatte er keine und integriert werden wollte er nicht. So blieb er allein. Seine Noten waren durchschnittlich bis schlecht und außerhalb der Schulzeit sah man ihn nie irgendwo.
Eines Tages konnte ich meinen Mund nicht mehr halten. „Sag mal, was ist los mit dir? Es scheint, als bist du von morgens bis abends traurig. Du gehst nie nach draußen, das schöne Wetter interessiert dich nicht, Freunde willst du keine und für die Schule tust du auch nichts. Irgendwas läuft bei dir falsch, meinst du nicht auch?“ „Wen kümmert das schon?!“ war alles, was ich als Antwort bekam.
Was ich gesagt hatte, tat mir leid, aber noch mehr beschäftigte mich seine Antwort. Solch eine Frage hatte ich mir noch nie gestellt. Warum auch sollte man sich diese Frage stellen, solange man sich selbst um sein Leben kümmerte? Ich war verwirrt und musste öfter über seine Worte nachdenken als mir lieb war. An unserem letzten Schultag nahm ich noch einmal all meinen Mut zusammen. Ich musste ihm einfach sagen was ich dachte und was mich so lange beschäftigt hatte. In einem ruhigen Moment nahm ich ihn also zur Seite.
"Weißt du", sagte ich leise und sah ihm fest in die Augen "du musst dein Leben schon selbst in die Hand nehmen um glücklich zu werden. Wenn es dich nicht kümmert, kümmert es auch sonst keinen. Und was du dir nicht selbst vornimmst wird auch kein anderer für dich schaffen. Du bist nicht ewig dieses kleine Kind, dem man jeden Wunsch von den Lippen abliest. Du bist alt genug um selbst zu entscheiden was du willst. Was dir wichtig ist. Wie du leben willst. Mag sein, dass das nicht einfach ist. Aber es nicht zu versuchen, nur weil es schwer werden könnte, wäre absolut unverzeihlich."
© 2009 by Bastek, Amelie
"Wen kümmert das schon?" - Lesermeinungen
Folgende Kommentare haben die Leser für diesen Text von Bastek, Amelie hinterlassen.
Hallo Amelie,
leider habe ich zu lange mit den Bewertungen gewartet, daher schicke ich sie heute ohne Kommentare ein. Ausführliche Kritiken folgen noch.
Ich bedanke mich auf jeden Fall bei allen Beteiligten. Es brachte mir einige, angenehme Abende ein, bereichert durch interessanten Lesestoff.
Freundlicher Gruß,
Christian
Geschrieben am 13.12.2009 um 23:12 Uhr
Meiner Meinung nach, war deine Idee nicht schlecht, aber um ehrlich zu sein, finde ich die Frage: "Wen kümmert das schon?" nicht sehr passend. Immerhin scheint es ja zumindest eine Person zu geben, die es kümmert.
Mich hätte es echt interessiert, wieso der Klassenkamerad so traurig ist und sich nicht integrieren möchte.
Leider waren es auch ziemlich viele Kommafehler.
Geschrieben am 13.12.2009 um 21:41 Uhr
Mir kommt es so vor als fehle da die Hälfte. Du hast die Situation sehr schön geschildert. und auch dass die hauptperson (fast hätt ich Protagonistin geschrieben, woher kommt das eigentlich? :D) sich sehr damit beschäftigt.
Aber dann fehlts ein Reaktion. Sie legt da eine halbe Rede hin, sagt ihm ihre Meinung und dann hört die Geschichte auf?
Kann doch nicht dein Ernst sein!
Ans Ende könnte man jetzt so viel geniales setzen, die Hauptperson liegt total falsch oder es kommt eine total pessimistische depri-Philosophie der sie nicht mehr begegnen kann und er bleibt traurig oder er begreift ihre Worte mit dem kopf tut sich aber schwer sie im herzen zu begreifen, sagt ihr das- Offenes Ende. All das hab ich mir nur grad aus dem hirn gezogen es gibt sicher noch viel bessere Möglichkeiten ;)
Schreib die Geschichte bitte fertig, ja? ;)
Geschrieben am 31.10.2009 um 22:05 Uhr
Hey,
ich finde deine Geschichte schön. Die Idee gefällt mir :)
Dass du ein so offenes Ende hast, finde ich nicht wirklich schlimm, aber ich denke, dass du die Geschichte durch ein paar weitere Sätze ein wenig "abgerundet" hättest (aber eine Kg hat ja eh meistens ein offenes Ende, also...)
Ein paar Gmmatikfehler waren drin, vor allem Kommafehler (ich glaub 4-5 Stück... zum Ende hin, sind es einige auf einmal) Ist aber nicht störend... :)
Geschrieben am 17.10.2009 um 16:21 Uhr
Ich finde deine Idee super, auch wie du das geschrieben hast mag ich sehr. Es ist auch sehr authentisch. Dass du ein so offenes Ende hast, finde ich sehr passend, da man dadurch gezwungen ist sich in den Jungen hinein zu versetzen um das was man wissen möchte zu erfahren. Alles in allem finde ich die Geschichte absolut gelungen.
Geschrieben am 15.10.2009 um 11:16 Uhr
Dein erster Satz ist perfekt.
Er ist schön.
Er klingt gut.
Er ist packend.
Er liest sich flüssig.
Die Idee deiner Geschichte mag ich auch.
Traurig, aber ich glaube es gibt viele, denen es so geht.
AAABER:
(ja es gibt ein aber...^^)
Wieso lässt du diese Aussage am Ende stehen. Wo bleibt das, was jeder Leser wissen will... seine Reaktion? Wer weiß, vielleicht lag der Protagonist ja völlig daneben, vielleicht hat er nicht den Punkt getroffen, der die harte Schale knacken kann.
Offene Enden sind zwar gut, aber so offen, das ärgert einen richtig, wenn man Am Ende ankommt.
Ich will nicht sagen, dass die Geschichte länger sein soll. Aber so bekommt man keinen Einblick in den verschlossenen Jungen, wie soll man dann über die Geschichte nachdenken, an das Thema heran gehen?
Verzichte nicht auf eine genauere Antwort als die, deiner Überschrift (welche ich auch etwas zu wage finde, um fesselnd zu sein!), um dic nicht für einen Charakter entscheiden zu müssen, das wäre ein Fehler. Lege die Person, die dort stillschweigend im Klassenraum sitz, fest.
Dann macht das Lesen mehr Spaß, wird spannend und interessant zu hinterfragen.
Geschrieben am 13.10.2009 um 22:52 Uhr
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Teilnehmerdaten
Wettbewerbsjahr
2009
Platzierung
Die Leser wählten diesen Beitrag auf den Platz 25.
Kurzbiografie
Amelie Bastek, geboren am 19. April 1989 in Aalen, interessiert sich schon seit Kindesbeinen für Geschichten aller Art. Im Jahr 2009 erreichte sie die allgemeine Hochschulreife mit der Auszeichnung des Scheffelpreises. Es wundert daher nicht, dass ihr Berufswunsch schon seit langem feststeht - Schriftstellerin.
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