weißer Schatten
Prolog - Raubtier
Vor hunderten Jahren
war da ein Mann
so schön wie der Mond
wie aus Mamor
So einsam wie ein alter Wolf
doch gefährlich wie ein junger Löwe
ein Raubtier der Nacht
lautlos, ohne Schatten,Bewegungen gedankenschnell
Sah ihn und ward ihm verfallen
er nahm mich mit sich
in die Höhle des Räubers
der Seelen raubt
der Blut raubt
der Ewigkeit schenkt
vor hunderten von Jahren...
Nichts als ein Traum?
Verschlafen torkelte Louise aus dem Zelt hinaus in dem ihre Freundin noch leise und gleichmäßig vor sich hin schnarchte.
Ein Sommerregen hatte nasses Gras und einen wunderbaren Duft nach Erde hinterlassen. Hatte sie da nicht gerade im Wald Äste knacken hören?
Oder hatten ihr die müden Sinne nur einen Streich gespielt?
Barfuß tappte sie zum Lagerfeuer hinüber, welches nun kaum noch mehr als ein Haufen orangeroter Glut war. Sie nahm zwei Holzscheite und legte sie in die Mitte der Glut. Sanft sprühten Funken und kleine Flammen leckten am Holz.
Da, war da nicht schon wieder so ein Rascheln und knacken? Sie bildete sich das doch nicht ein. Gab es hier eigentlich Wölfe oder womöglich Bären? „Hallo?“ flüsterte sie leise mit heißerer Stimme. „Ist da jemand?“ Keine Antwort, oder doch? Hörte sie da nicht ein Lachen? Und schon wieder ertönte dieses Rascheln und Knacken. Mit zittrigen Fingern schaltete sie die Taschenlampe ein und leuchtete in den Wald hinein.
Funkelte dort nicht ein Augenpaar? So, wie Katzenaugen schimmerten? Aber leider stimmte die Höhe nicht.
Doch bevor das Mädchen die Möglichkeit hatte nach ihren freunden zu rufen, trat ein Mann zwischen den Bäumen hervor. Louise stockte der Atem.
Der Mann war groß, hatte schulterlanges braunes Haar, welches er im Nacken zusammen gebunden hatte. Sein Gesicht war makellos schön und es hatte den Anschein, als würde seine Haut das Mondlicht reflektieren. Seine Augen musterten sie aufmerksam, Augen die das dunkelste blau des Nachthimmels trugen und jedesmal, wenn er in den Lichtkegel der Taschenlampe blickte, schimmerten sie grünlich und seine Pupillen verengten sich.
Er lachte leise, ein melodisches und gleichzeitig schrecklich bedrohliches Lachen.
Er strich seinen dunkelblauen mit goldenen Knöpfen verzierten Gehrock glatt und sammelte die vereinzelten Zweige und Blätter, die sich auf seine breiten Schultern verirrt hatten, ab.
Er trat einen Schritt auf sie zu, Louise blieb wie angewurzelt stehen.
„Schalte sie aus.“ Sagte er mit freundlicher Stimme, die einen befehlenden Unterton hatte.
Louise gehorchte. Ohne den Fremden aus den Augen zu lassen, schaltete sie die Taschenlampe aus, hielt sie jedoch weiterhin fest umklammert .
Das auflodernde Feuer tauchte ihre Gestalten in ein flackerndes Rot.
Die Schatten, die auf seinem Gesicht umhertanzten, und das gefährliche Glitzern seiner dunklen Augen ließen ihn geradezu teuflisch wirken.
Warum rief sie nicht um Hilfe? Warum lief sie nicht weg?
Das er gefährlich war, spürte sie, doch wagte sie nicht sich zu rühren. Es war wie ein stummer Befehl, der von ihm ausging.
Langsam und mit einer Eleganz, die mitten in diesem Wald absurd wirkte, ließ er sich auf einem Baumstumpf nieder und begann mit süßer Stimme zu sprechen, die einen zum Zuhören zwang: „ Ist das nicht eine traumhafte Sommernacht? Der Himmel ist so klar, es scheint fast, als wäre jeder kleinste Fleck mit Sternen bedeckt, oder was meinst du Louise?“
Als sie ihren Namen aus dem Munde dieses Mannes vernahm, zuckte sie unwillkürlich zusammen. „ Woher...r?“ „Woher ich deinen Namen kenne?“ und wieder dieses lachen. „Nun, ist das denn wichtig meine Schöne?“ Ein belustigendes Funkeln trat in seine Auge. „Wer bist du?“, murmelte sie leise.
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, den Blick herausfordernd auf sie gerichtet antwortete er: „Meinst du nicht was. Was ich bin?“ Nun trug er ein breites Grinsen im Gesicht, welches ein schneeweißes Raubtiergebiss entblößte.
Sie brachte es nicht fertig zu schreien, doch stolperte sie einige Schritte rückwärts und plötzlich war er fort. Panik stieg in ihr auf und ihr wurde schwindelig.
„Was fürchtest du?“, wisperte eine Stimme nah an ihrem Ohr.
Schnell wirbelte sie herum. Da stand er hinter ihr und lächelte selbstzufrieden. Doch wie kam er nur so schnell dorthin? Sie begann schrecklich zu zittern.
„Angs?t“ nur ein heiseres Flüstern. Er schloss die Augen und atmete ihren Duft tief ein.
Nun wollte sie laufen, doch er ließ sie nicht fliehen, hielt sie mit seinen kalten Händen fest. Angst erfüllte das junge Mädchen und ein Tränenschleier trübte die hellblauen Augen.
„Ich lade dich ein in meine Welt. In ein Reich aus Dunkelheit, das keine Grenzen kennt, unendliche Freiheit!“
Sie spürte seinen Atem auf ihrer Haut. „Was willst du?“, kaum mehr als ein zittern war ihre Stimme jetzt.
„Ich will dich zu meiner Königin machen.“ Sie sah in sein unheimliches und schönes Gesicht. „Eine Königin? Ich?“ Wieder war da dieses Lachen, diesmal sanfter, weniger bedrohlich. „Ja, werde an meiner Seite zur Königin der Nacht.“ Die Stimme klang so verführerisch, ein Ablehnen war kaum möglich
Zuversichtlich sah er sie an. Kalte Fingerspitzen streiften ihr Gesicht. „Ich erwarte dich du wirst mich finden."
Und schon wieder war er fort, als hätte er sich ausfgelöst.
Erschrocken fuhr Louise aus dem Schlaf hoch, das Zelt stand offen und warme Sonnenstrahlen kitzelten die Mädchen wach.
Louise eilte aus dem Zelt. War das denn alles nur ein Traum gewesen?
Doch davsah sie etwas am Waldrand glitzernd in der Sonne liegen. Louise lief zögerlich hinüber und hob es auf. Ein goldener Knopf an dem noch ein Stück blauer Faden hing.
Es war also doch kein Traum gewesen.
Das Mädchen hielt den Knopf in der Hand, ging in langsam den Wald und war von niemandem mehr gesehen .
Epilog - in den Schatten
Wandernd in den Schatten
verfolgst du mich.
Es dürstet dich
nach meinem Blut.
Warm, rot, schnell
siehst du es fließen durch meine Adern.
Ich gebe es dir
doch es hat einen Preis.
Ich will wandeln in den Schatten
ewig
mit dir.
© 2009 by Julia Marie-Luise, Kuhlmeier
weißer Schatten - Lesermeinungen
Folgende Kommentare haben die Leser für diesen Text von Julia Marie-Luise, Kuhlmeier hinterlassen.
Hallo Julia Marie-Luise,
leider habe ich zu lange mit den Bewertungen gewartet, daher schicke ich sie heute ohne Kommentare ein. Ausführliche Kritiken folgen noch.
Ich bedanke mich auf jeden Fall bei allen Beteiligten. Es brachte mir einige, angenehme Abende ein, bereichert durch interessanten Lesestoff.
Freundlicher Gruß,
Christian
Geschrieben am 13.12.2009 um 23:08 Uhr
Du hast so viele Comments fast bin ich geneigt dich nicht zukommentieren :D
Nein, auch mich hat es an Biss erinnert, sorry,aber ich weiß ja dass du dich schon zuvor damit beschäftigt hast. ;)
trotzdem ein unglückliches Thema. Vampirgeschichten sind inzwischen abgegriffen und gehen mir nur noch auf den Sack :D
Vom Stil her ist es wunderbar, ich mag es am Anfang und am Ende ein kleines Gedicht... sehr originell ;)
Was mich ein wenig verwirrt ist dass du nachdem sie die Lampe ausmachst kurz feuer erwähnst, aber nicht wo dieses herkommt, wozu es da ist...
Geschrieben am 31.10.2009 um 21:58 Uhr
Sehr schöne Geschichte, spannend und fesselnd, von der allbekannten verführerischen Anziehungskraft unserer lieben Untoten, die wir begehren, weil wir sie nicht finden können!
Geschrieben am 16.10.2009 um 21:31 Uhr
Hey Julia!
Nicht schlecht, dass du bei so einem Wettbewerb mitmachst; also zu deiner Geschichte: richtig klasse finde ich die Einleitung und den Abschluss mit den Gedichten (auch wenn sie ab und zu noch haken- aber Geschmackssache).
Insgesamt ist alles ziemlich detailreich, manchmal vielleicht auch zu viel, weil Dinge beschrieben werden, die für die Geschichte gar nicht so von Bedeutung sind. Den Platz, den diese Mini-Infos verbrauchen könntest du vielleicht besser für eine abrupte Wendung nehmen, so ist alles ziemlich vorhersehbar.
Auch ist die Wahl des Themas in meinen Augen nicht die beste, gerade weil das Thema sehr populär ist im Moment. Besser wäre es sicherlich ein weniger bekanntes Thema zu nehemn, weil sonst bestimmt gedacht wird, du hättest nur abgeschrieben (auch wenn das nicht der Fall ist) und es würde deine Kreativität und Eigenständigkeit zeigen, wenn du gegen den Strom schwimmst.
Der Titel ist allerdings wegen des Gegensatzes von weiß und Schatten ziemlich gelungen und passt auch gut zur Geschichte.
Also viel Glück und weiterhin viel Spaß beim Schreiben
Geschrieben am 14.10.2009 um 20:56 Uhr
Ich find, dass das Ganze klang irgendwie wie ein Auszug aus einem der Twilight-Bücher, aber du hast es ganz gut beschrieben.
Das Ende fand ich ein bisschen komisch und viel zu schnell da. Insgesamt war es schon ganz gut.
Geschrieben am 14.10.2009 um 17:46 Uhr
Ich hätte mir ein wenig mehr Vorgeschichte zur Louise gewünscht ;D
Die Situation wird beim lesen natürlich klar, allerdings hätte ich gerne noch ein wenig mehr Zeit im Zelt der Mädchen gehabt. Warum ist Louise nach draußen gegangen, obwohl es Nacht war? Für ein Buch beginnt die Geschichte dann zu plötzlich, aber für eine Kurzgeschichte passt dann das Maß.
Ich hätte mir auch ein wenig mehr Geheimnis von dem Vampir gewünscht. Die Frage "Was ich bin", kommt mir noch ein wenig zu früh ;)
Sonst sind die Details gut beschrieben, wie zum Beispiel die Augenfarbe, die sich im Licht ändert oder der befehlende Unterton.
Leider nur 3 Sterne für die Idee, weil Vampire jetzt leider sehr viel im Umlauf sind, aber dafür kannst du ja nichts, weil diese ganzen praepubertären Gören jetzt auf Vampire abfahren, nur weil mal wieder ein Film im Kino lief. Ich denke, du weißt, was ich meine ;D
Geschrieben am 13.10.2009 um 21:21 Uhr
Also ich wollte da mal was zu meiner Verteidigung sagen *ggg*
1. Ich schreib schon länger Vampirgeschichten und Gedichte seid es Bis(s) gibt
2. Bitte vergleicht es nicht mehr weiter damit das nervt da könnte man es wirklich mit jedem vampirtext vergleichen solche Kritik hilft mir nun echt nicht weiter XD
LG Julia
Geschrieben am 13.10.2009 um 10:57 Uhr
Ich mag deine Geschichte sehr und klar hatte ich auch viel Spaß daran sie zu lesen. Ich selber denke nicht an Biss- wenn ich es lese. Vielleicht denken ja andere es hätte was damit zu tun, weil es zur Zeit "IN" ist. Keine Ahnung, auf jeden Fall kann man das hier nicht vergleichen. Ansonsten könnt ich auch sagen es hätte Ähnlichkeit mit dem Vampir Lestat oder doch der Vampir Bill von Sookie.
Also, mach weiter so. Ich find deine GEschichten klasse^^
Geschrieben am 13.10.2009 um 07:00 Uhr
Die Idee ist nicht besonders neu. Es kommt viel klischeehaftes vor, vor allem aus Bis(s) bekannt (Die Schnelligkeit der Vampiere, die unglaubliche Schönheit, die besonderen Augen...).
Aber du schreibst und beschreibst sehr schön. Ein wenig mehr könntest du noch auf Louises Ängste eingehen, oder der unverständlichen Zuneigung, je nachdem was überwiegt.
Manchmal hast du ein paar Rechtschreibfehler, aber nicht weiter schlimm. Du hättest den text nochmal durchgehen können ;)
Der Aufbau der Geschihcte gefällt mir, vor allem der Prolog und Epilog! Schöne Mischung aus Gedicht und Geschichte!
Geschrieben am 12.10.2009 um 19:13 Uhr
Hallo, Julia.
Ich finde deine Geschichte recht passabel, der Stil ist gut, die Gliederung ist gelungen. Aber darf ich dich ehrlich mal fragen, ob deine Louise vor dem Schlafengehen "Bis(s) zum Morgengrauen" gelesen hat? ;) Es kam mir zumindest so vor... (und ich kann wirklich nicht behaupten, dass ich dieses Buch gemocht habe, es hatte viel zu sehr von einer Mary Sue)
Aber wie gesagt, dein Stil ist gut, es ließe sich einiges damit erreichen, wenn die Geschichte das nächste Mal etwas origineller wäre.
Hat (trotzdem) Spaß gemacht, es zu lesen!
Geschrieben am 12.10.2009 um 17:04 Uhr
Mir gefällt die Geschichte sher, zumal sie nicht dieses Klischee des derzeitigen Vampirwahns entspricht.
Sie ist fesselnd unterhaltsam und ehrlich gesagt ziemlich unheimlich! Gefällt mir wirklich sehr sehr gut!
LG anja
Geschrieben am 12.10.2009 um 15:24 Uhr
weißer Schatten - Meinung schreiben
Julia Marie-Luise, Kuhlmeier freut sich über jeden Kommentar. Bitte habe Verständnis dafür, dass wir deinen Kommentar und deine Bewertung vor Freischaltung zunächst prüfen.
Teilnehmerdaten
Wettbewerbsjahr
2009
Platzierung
Die Leser wählten diesen Beitrag auf den Platz 29.
Kurzbiografie
Ich bin 17 Jahre alt besuche das Gymnasium in der elften Klasse und verbringe meine freie Zeit größtenteils damit zu schreiben, seien es Gedichte, Kurzgeschichten, Artikel für die Schülerzeitung oder Buchbewertungen. Nach dem Abitur möchte ich Germanistik an der Univerität Tübingen studieren.
Ich hoffe sie unterhält die Geschichte.
MfG Julia ML Kuhlmeier
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