Musik
Musik.
Es dauert einige Sekunden, bis der Raum sich langsam mit sanften Klaviertönen füllt. Erst ganz zögerlich, doch dann immer lauter, fordernder dringen die Noten in meine Gedanken ein, scheinen meinen Körper ganz auszufüllen. Ich versuche mich zu entspannen. Obwohl das definitiv nicht die Art von Musik ist, die ich normalerweise höre. Aber was soll's, vielleicht hilft die Melodie mir ja wirklich die richtigen Worte zu finden.
Hier sitze ich nun also, vor einer leeren Word-Datei, den flimmernden Bildschirm anstarrend, während ich darauf warte, dass mir noch irgendeine – und damit meine ich wirklich irgendeine – rettende Idee für einen Text kommt.
Ein Text zum Thema Musik. Wieso hatte ich mir dieses Thema gleich nochmal für meine Kurzgeschichte ausgesucht? Ja. Natürlich. Musik ist ein wichtiger, nicht wegzudenkender Teil meines Lebens. Aber darüber etwas schreiben?
Meine Finger bewegen sich zu den kleinen Boxen auf meinem Schreibtisch und drehen die Lautstärke noch ein wenig weiter auf.
Musik ist die Quelle unserer Inspiration. Und bislang hat sie mich noch nie enttäuscht. Nur heute will es mit dem Schreiben irgendwie nicht wirklich funktionieren. Bin ich vielleicht einfach aus der Übung? Ich versuche meine Gedanken zu ordnen und systematisch vorzugehen.
Musik. Natürlich gibt es viele Definitionen für diesen Begriff, Erklärungen, Worte, die wir mit Musik in Verbindung bringen. Ton. Klangfarbe. Melodie. Rhythmus. Takt. Schall. Stimme. Vielleicht auch Kunst, Natur.
Schön, aber ich suche keine wissenschaftliche Erklärung, keine Fakten, keine Zahlen - sondern vielmehr einfach nur einen Grund, warum Menschen Musik hören, warum keine Kultur dieser Erde ohne Musik existiert, vielleicht nicht existieren kann.
Musik. Woher kommt Musik? Woher kommt diese eine Sache, die alle Menschen auf der Welt miteinander zu verbinden scheint?
Keine Party ohne Musik. Kein Alltag ohne neue Songs. Keine Trauerfeier ohne die passenden Noten. Selbst die Stille kann man in Klängen festhalten.
Musik ist die Sprache, die jeder Mensch auf dieser Welt versteht, egal ob reich, oder arm, ob krank oder gesund, ob alt oder jung. Sie gibt uns die Möglichkeit, alles was wir sehen, was wir hören, was wir denken und was wir fühlen der Welt zu zeigen, ohne jedes überflüssige Wort.
Musik hat Macht. Sie kann uns traurig stimmen, oder glücklich. Sie kann in uns Sehnsucht wecken, oder einfach nur eine wunderbare Erinnerung.
Jeder ist auf seine eigene Weise mit der Musik verbunden. Menschen singen, spielen Instrumente oder hören einfach nur zu.
Allmählich wird die Musik, die eben noch das Zimmer erfüllt hat, langsam leiser. Ich kann fühlen, dass dies die letzten Takte sind. Ein letzter sanfter Ton, der noch für den Bruchteil einer Sekunde in der Luft zu schweben scheint, den Raum nochmal auf unsichtbaren Schwingen durchfliegt.
Dann ist es still um mich herum. Und ich fühle mich mit einem mal leer.
Zuhören, den Klängen eines Liedes zu lauschen, ist schön. Friedlich. Man braucht nicht zu denken, nicht zu handeln. Es ist, als würde man in seine eigene kleine Welt eintauchen. Eine Welt ohne Grenzen und Mauern, ohne Gedanken und Probleme. Eine Welt einzig und allein bestehend aus Gefühlen. Den eigenen Gefühlen. Reden, singen, leben ist schwer. Musik hören ist leicht. Einfach. Kein Denken, kein Handeln. Keine Pflicht. Nur frei sein. Frei.
Und plötzlich sickert ein einzelner Gedanke, wie ein Regentropfen, langsam in mein Bewusstsein.
Musik. So alt wie die Menschheit selbst, wenn nicht sogar noch älter. Mit Wiegenliedern, die uns unsere Eltern vorsingen wachsen wir auf, singen in den ersten Jahren unseres Lebens mit unseren Freunden und unserer Familie. Wenn wir älter werden schließlich, beginnen wir unser eigenes Leben einer bestimmten Musikrichtung zuzuordnen. Wir suchen etwas, dass ganz allein uns gehört. Etwas, das uns Kraft gibt, wenn wir keine mehr haben. Etwas, das uns Ruhe schenkt, in einer Welt, die völlig überfüllt ist von Lärm, Stress, Hektik. Wir fangen an, Erinnerungen an Melodien zu knüpfen, Gefühle mit ihnen zu verbinden. Vielleicht nur, um unsere Vergangenheit fest zu halten, um später ein Lied anzuhören und sich an die durchlebte Zeit zu erinnern.
Musik. Sie ist unser ständiger Begleiter, bestimmt und prägt unser ganzes Leben. Sie ist wie eine Hintergrundmelodie, die wir hören, während wir unsere Geschichte schreiben. Die Geschichte unseres Lebens.
© 2009 by Sarah Mayr
Musik - Lesermeinungen
Folgende Kommentare haben die Leser für diesen Text von Sarah Mayr hinterlassen.
Hallo Sarah,
leider habe ich zu lange mit den Bewertungen gewartet, daher schicke ich sie heute ohne Kommentare ein. Ausführliche Kritiken folgen noch.
Ich bedanke mich auf jeden Fall bei allen Beteiligten. Es brachte mir einige, angenehme Abende ein, bereichert durch interessanten Lesestoff.
Freundlicher Gruß,
Christian
Geschrieben am 13.12.2009 um 21:33 Uhr
Du hast da eine sehr schöne kleine Musikgeschichte geschrieben.
Besonders gut gefiel mir, dass du das Wort " Musik " immer wieder eingebaut hast, einfach so. Das war schön. =) Du schreibst sehr philosophisch und irgendwie auch direkt. Das gefällt mir, auch wie du deine Gedanken suchst, sortierst und aufschreibst.
Das mit den fliegenden Tönen ist Tatsache, die du gut erkannt hast und wunderbar aufgeschreiben hast.
Übrigends: Das mit der Flucht in eine eigene Welt und mit dem Aufwachsen in der Musik und so, das denke ich auch immer wieder. ;) Es sind Erinnerungen bei mir.
Ich spiele Geige und kann hiermit sagen, dass du schön geschrieben hast, einfach drauf los, du hast die Idee aus dir selbst geschöpft, so nebenbei. Toll. Ich hätte nur viellt. noch einige eigene Erfahrungen oder Erinnerungen mit der Musik eingebaut und somit mehr noch eine Geschichte gesponnen.
Hoffe, dieser Kommentar war in Ordnung. LG, Diana
Geschrieben am 15.11.2009 um 19:31 Uhr
subjektiv lara, gerade die stelle hat mir sehr gefallen ;)
Obwohl andere Vergleiche besser gewesen wären, erden und singen ist in der tat leicht, aber leben nicht wirklich ;)
sehr schöne auseinanderstzung mit Musik, aber acuh hier fehlt mir die Geschichte, es ist ein "Den Leser mit der Nase voran in die Aussage drücken" statt ihn drauf kommen zu lassen ;)
Geschrieben am 31.10.2009 um 15:43 Uhr
Ich stimme Zeenat zu, die Idee ist nicht so neu, aber sie mit Musik zu verbinden hat was.
Es ist ein anderer Anfang... es gibt ja einThema, wüber das die geschichte gehen soll, aber dem Erzählenden Ich fällt nichts dazu ein - am Ende kommt dann doch eine Geschichte über Musik heraus.
Ich finde aber den Inhalt nicht immer gut.
Eine Stelle beispielsweise hat mir garnicht gefallen:
"Reden, singen, leben ist schwer. Musik hören ist leicht."
Reden ist leicht.
Singen ist noch leichter.
Leben ist das leichteste.
Es muss nichts gutes dabei heraus kommen, klar. Man muss selber etwas tuen, sicher.
Aber mir zum Beispiel gibt singen und reden und leben ebenso viel Freiheit wie einfach der Musik eines anderen zu lauschen - vielleicht sogar mehr. (Zumindest singen! :).... )
Trotzdem sehr gelungen!
Bis auf einige Komma-Fehler.
Geschrieben am 29.10.2009 um 18:43 Uhr
Ein wunderschöner Text der die Musik sehr treffend beschreibt und alles beinhaltet was man damit verbindet.
Geschrieben am 14.10.2009 um 18:14 Uhr
Ich muss sagen, dein Text gefällt mir sehr gut. Obwohl die "Ich weiß nicht, was ich schreiben soll" Idee nicht neu ist, finde ich hast du einen wirklich super Stil und beschreibst sehr gut, was Musik wirklich ausmacht.
Geschrieben am 14.10.2009 um 15:40 Uhr
Meiner Meinung nach ein sehr schöner Text.
Wunderbare Idee, gut umgesetzt. Stimmt nachdenklich ohne aber traurig zu wirken.
Mein Lob!
Geschrieben am 13.10.2009 um 15:54 Uhr
Musik - Meinung schreiben
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Teilnehmerdaten
Wettbewerbsjahr
2009
Platzierung
Die Leser wählten diesen Beitrag auf den Platz 14.
Kurzbiografie
Mein Name ist Sarah Mayr, ich bin 16 Jahre alt und seit 2003 Schülerin am Maria-Ward-Gymnasium in Augsburg. Meine Hobbys sind Querflöte, Badminton und Geschichten lesen bzw. natürlich auch schreiben (arbeite nun schon einige Zeit an meinem ersten Roman und hoffe, diesen bald fertig stellen zu können)
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