Die Fragen
"Na, du Loser !?“, rief der Junge. Der Junge mit seinen Freunden, die alle gut zweimal so groß waren, wie er selbst. Er kannte diese Stimme. Nur zu gut. Sie jagte ihm jedes Mal aufs Neue einen Schauer über den Rücken. Doch er tat, als habe er nichts gehört, straffte sein Kreuz und ging einen Schritt schneller. Ihm war klar, dass es nicht helfen würde. Es half nie und am Ende rannte er immer...vergebens, denn er rannte zu langsam.
Der Junge und seine Freunde holten auf. Kälte holte ihn ein und kurze Zeit darauf hatten sie ihn eingekesselt, grinsten ihm hämisch ins Gesicht.
„Da ist er ja, unser Freund!“ , sagte Er, ruhmheischend in die Runde seiner Bewunderer blickend,. „.. und wieder einmal war er zu langsam für uns.“
Jetzt wusste er genau, wie es weitergehen würde. Schon wurde er von Einem geschubst, ein Weiterer kam vor und rammte ihm sein Knie in den Magen, während ihm ein Anderer ins Gesicht schlug.
Er geriet ins Straucheln. „ Bloß nicht zu Boden gehen“, schoss es ihm durch den Kopf, doch als eine Faust ihn an der Schläfe traf, gaben seine Knie nach. Der Junge lachte, seine Freund fielen ein. Immer und immer wieder traten sie ihn.
Der Kopf dröhnte und die Konturen, der Peiniger verschwammen zusehends. Dumpf drangen ihre Stimmen an sein Ohr.
Das Lachen. Das Lachen, es dröhnte in seinem Kopf und in seinen Ohren. Seine Sinne schwanden.
Als er erwachte, kam ihm alles nur noch wie ein Albtraum vor, nur seine pochende Schläfe und ein nicht unbeträchtlich großer Kratzer an seiner Würde erinnerte noch an das Vergangene.
Er war noch einmal glimpflich davon gekommen. Oft war es ihm schlimmer ergangen. Sie hatten ihn schwer verletzt. So, dass man es sah. Aber heute würde man es kaum sehen. Das war wichtig, dass man es nicht sah.
Denn die Fragen, die Fragen waren das Schlimmste.
Wenn sie es nicht sehen würden, würden sie keine dummen Fragen stellen. Ihn besorgt ansehen.
Heute würde er nicht antworten müssen, nicht ausweichen. Nicht schreien. Nicht weinen.
Weinen darüber, dass er Nichts sagen durfte und darüber, dass sie keine Ahnung hatten. Keine Ahnung von dem, was so offensichtlich war.
© 2009 by Katharina, Winter
Die Fragen - Lesermeinungen
Folgende Kommentare haben die Leser für diesen Text von Katharina, Winter hinterlassen.
Hallo Katharina,
leider habe ich zu lange mit den Bewertungen gewartet, daher schicke ich sie heute ohne Kommentare ein. Ausführliche Kritiken folgen noch.
Ich bedanke mich auf jeden Fall bei allen Beteiligten. Es brachte mir einige, angenehme Abende ein, bereichert durch interessanten Lesestoff.
Freundlicher Gruß,
Christian
Geschrieben am 13.12.2009 um 19:18 Uhr
Sehr schön geschrieben und man kann es sich sehr gut vorstellen, wie der arme Junge verprügelt wird.
Aber was mich stört ist, dass man am Ende immer noch nicht weiß, warum er gemobbt wird!
Geschrieben am 23.11.2009 um 23:48 Uhr
Wow. Das ist eine sehr, sehr gelungene Kurzgeschichte. Ein bisschen philosophisch, aber vor allem aktuell!, und wunderschön formuliert! Du machst Bilder mit deinen Sätzen und man kann sich in das Opfer reinfühlen. Deine verwendeten Wörter wie " ruhmheischend" gefallen mir auch! ;) ich fand den Satz am Anfang einfach lustig: " Er straffte das Kreuz..." :) Da musste ich unwillkürlich lachen. Doch, dieser Text gibt zu denken und wie gesagt, er ist aktuell. Lieder ist er demnach arg realistisch. Sehr gut, vielen Dank dafür!
LG
Geschrieben am 16.11.2009 um 15:30 Uhr
Endlich mal eine geschichte die etwas behandelt :D
Ein wichtige Thema, ohne Zweifel, aber triffst du seinen nerv?
zum einen JA, du beschreibst, die Peiniger die SChläge, die Demütigungen. Und das alles in einer anschaulichen, bildhaften Sprache.
Zu anderen NEIN, du beschreibst es, und man hat das Gefühl dass du keine erfahrung mit diesem thema hast, ich denke die Täter genießen hier das machtgefühl das sie überd as Opfer haben. Sie demütigen, verspotten und mobben ihn zuerst. bei dir fangen sie eigentlich sofort an zu schlagen.
Das wirkt unrealistisch. Dann erfährt man nicht, warum er es niemandem sagen kann, will, man kann es sich zwar denken aber eine kleine Andeutung in diese Richtung wäre schon nett ;)
Auch heißt es ja Fragen, der text. Du gehst aber viel zu wenig auf diese Fragen ein. ;)
vielleicht hast du den falschen titel, vielelicht den falschen text, jedenfalls passt es nicht so ganz zusammen ;)
Aber alles in allem schreibst du sehr schön, nur eben nicht so ausführlich wie es sein sollte ;)
Geschrieben am 30.10.2009 um 18:52 Uhr
Kurz und knackig - präzise und gut beschrieben. So muss das sein, eine wirklich gute Geschichte.
An manchen Stellen hapert es an der Rechtschreibung, aber das ist minimal.
Hab nichts daran auszusetzen, so ist es leider oft, dass wichtige Probleme verschwiegen werden, weil man denkt, reden macht es schlimmer. Du regst an, darüber nachzudenken, zu erkennen, dass es der einzige Weg ist, aus der Situation heraus zu kommen.
Darüber zu reden ist sicher spannend, Ideen entwickeln, was man tun kann, wie man helfen kann.
Vielen Dank für diese geschichte :)
Geschrieben am 12.10.2009 um 22:55 Uhr
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Wettbewerbsjahr
2009
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Kurzbiografie
Ich heiße Katharina, bin 19 Jahre alt und werde ab Oktober Anglistik und Komparatistik studieren. Geschichten schreibe ich eigentlich seit ich schreiben kann, immer dann wennich eine Idee habe.
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